Reithelm – Sicherheit geht vor …

Reithelm – Sicherheit geht vor ...Okay, okay – Reiten ohne Helm ist eine coole Angelegenheit, insbesondere im Sommer, wenn es unter dem Helm schon einmal recht warm werden kann. ABER der Reithelm ist ein absolutes Muss. Egal, wie gut sich das Pferd reiten lässt, egal, wie brav es für gewöhnlich ist, niemand kann sagen, wann nicht doch dieser eine Augenblick sein wird, an dem es dann doch unerwartet erschrickt und scheut und den Reiter als Nebeneffekt abwirft. Drücken wir die Daumen, dass er niemals kommt, dieser Augenblick. Und doch ist es dann besser, darauf vorbereitet zu sein. Wie viele Reiter hat die Verweigerung des Reithelmes schon ein sorgenfreies Leben gekostet? Die heutigen Helme sind nichts als purer Schutz. Vergleicht man sie mit älteren Modellen, so waren diese wesentlich schwerer, weniger atmungsaktiv und schützten Kopf und Nacken nicht so optimal, wie es die heutigen Modelle können. Warum also sollte man ein Risiko eingehen? Zudem sind die Reithelme heute nicht nur praktisch, sondern teils sogar recht modisch, insbesondere die der Kinder. Und bezahlbar sind sie auch noch.

Der Aufbau des Reithelmes

Gehen wir vom reinen Aufbau des Helms aus, so kann man den Reithelm problemlos mit einem Fahrradhelm vergleichen:

  • Die Außenschale, verstärkt: Der Standardhelm besteht aus Kunststoff, das mit Carbon oder aber Polycarbonmaterial verstärkt wurde. Dadurch werden die Helme gleichermaßen robust und leicht. Bei allen Helmen, klassisch wie auch modern, befindet sich vorne ein Schirm, auch gerne als Sonnenblende bezeichnet. Aufgrund verschiedener EU Normen (EN1384) ist es zwingend notwendig, dass der Innenhelm mit der Außenschale fest verbunden ist. Alle neueren Helme entsprechen der Norm.
  • Der Innenhelm, aus Styropor bestehend: Damit das Styropor nicht direkt auf dem Kopf aufsetzt, haben sich die Hersteller unterschiedliche Polsterungen und „Abstandshalter“ einfallen lassen. In diesem Punkt unterscheiden sie sich sehr stark. Die qualitativ besten Modelle verfügen über antiallergische Polster, die zum Waschen aus dem Helm herausgenommen werden können. Dieser Aspekt bedeutet allerdings nicht, dass die anderen Modelle qualitative schlechter dastehen. Wichtig ist, dass ein Zwischenraum zwischen Kopf und Helm für die gute Belüftung vorhanden ist.
  • Der sichere, robust Verschluss: Nicht nur der Verschluss muss robust sein. Auch die Strippen, mit denen er am eigentlichen Helm befestigt ist, müssen so einiges aushalten können. Stellen Sie sich die Kräfte vor, die bei einem Sturz vom Pferd nicht nur auf den Helm, sondern auch sein Verschlusssystem einwirken. Selbstverständlich muss sich der Reiter darauf verlassen können, dass der Verschluss geschlossen bleibt und die Strippen den Helm sicher und fest auf dem Kopf halten. So ist es auch kein Wunder, dass dem Befestigungssystem der Reithelm bei den Tests vom TÜV eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Gibt es bei Reithelmen unterschiedliche Formen?

Grundsätzlich kann man die folgenden Kopfbedeckungen beim Reiten unterscheiden:

  • Zylinder: Er wird ausschließlich zur Zierde getragen und hat keine nennenswerte Schutzfunktion. Außer in den höheren Dressurklassen findet man ihn auch bei der Dressur der Gespannfahrer.
  • Der klassische Reithelm – ein Relikt aus vergangenen Tagen: Keine Frage, der klassische Reithelm wurde, bevor es die neuen Helmrichtlinien gab, zu jedem Anlass getragen. Egal ob Dressur, Springreiten, Gelände oder für den Bockdiener der Gespannfahrer, dieser Helm wurde immer getragen. Woran man ihn auch heute noch erkennt? Natürlich an der samtenen Oberschicht. Allerdings war es gar nicht so einfach, das richtige Modell mit der korrekten Passgröße zu finden. Denn diese alten Helme besaßen noch keine Möglichkeit, die Innengröße korrekt anzupassen. Doch sollten sie weder zu eng, noch zu weit sein. Für einige Reiter war der Kauf eines neuen Helmes somit mit dem Anprobieren vieler, vieler Reithelme behaftet. Da er den Kopf vollkommen umfasste, war eine Belüftung des Kopfes nicht möglich. Der verschwitzte Kopf gehörte damals einfach zum Reiten dazu. Heute sind diese Helme nicht mehr der EU-Norm entsprechend. Somit dürften sie auf Turnieren nicht mehr getragen werden. Trotzdem gibt es eine Art Retro-Bewegung, die diesen Helm, wenn auch außerhalb der Turnierplätze, wieder salonfähig machen.
  • Der moderne Reithelm, der EU-Norm entsprechend: Der moderne Reithelm unterscheidet sich vom Klassiker bereits durch sein Gewicht und der Tatsache, dass er sehr gut belüftet ist. Zudem umfassen die heutigen Modelle nicht nur den Kopf, sondern schützen auch die empfindliche Zone rund um den Atlas und den zweiten Halswirbel. Diese Schutzmaßnahme gilt mittlerweile für alle Reitdisziplinen und nicht wie einst nur für die Geländereiter. Sicherheit geht eben vor.
  • Der Western-Reithelm: Natürlich kann das Westernreiten und der obligatorische Westernhut nicht aus dem Reitsport weggedacht werden. Dennoch ist es nicht ganz einfach, den Westernhut mit der Sicherheit des Reithelmes zu kombinieren. Und dennoch ist dieser Spagat gelungen. Es gibt unterschiedliche Modelle im Handel, die sowohl den traditionellen Westernlook, aber auch die Sicherheit nicht vernachlässigen. Sie entsprechen der EU-Norm und sehen einigermaßen cool und lässig aus. Natürlich kann man sie mit dem traditionellen Westernhut aus Leder nicht vergleichen. Doch ist der Spagat zwischen Optik und Sicherheit ganz gut gelungen. Zudem besteht immer noch die Option, einen echten Westernhut über die Reitkappe zu ziehen, um dem Look treu bleiben zu können.

Wie wird ein Reithelm geprüft?

Sicherlich gehört der Reithelm rein optisch ebenso zu einem Reiter wie der Sattel, die Trense oder die Reitstiefel. Und doch ist dies nicht der wichtigste Aspekt des Helmes. Denn es geht vornehmlich um die Sicherheit des Reiters. Kein Airbag, keine Knautschzone – wenn ein Reiter in einen Unfall verwickelt wird, ist der Kopf am stärksten gefährdet, sodass der Reithelm dazu gedacht ist, den bestmöglichen Schutz zu bieten. Nicht umsonst hat sich sogar der Gesetzgeber damit befasst und entsprechende Normen erschaffen, die es vom Hersteller einzuhalten gilt. Dies ist allerdings nicht möglich, ohne die entsprechenden Produkte einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Was während der Produktionsphase beim Hersteller durchgeführt wird, wird später vom TÜV überprüft. Ja, der Reithelm sollte ein TÜV-Siegel tragen. Nur so wissen Sie, dass Sie der Überprüfung des vorliegenden Modells auch tatsächlich trauen können.

  • Quetschprüfung: Mit ihr wird die Seitensteifigkeit des Modells überprüft. Nicht nur der Sturz muss abgefangen werden. Auch einen Huftritt muss das Seitenteil problemlos aufnehmen und den Kopf schützen können.
  • Fallprüfung: Es wird von einer durchschnittlichen Pferdegröße von 150 cm ausgegangen. Verschiedene Fallszenarien werden aus dieser Höhe mit einem Dummy durchgeführt, um den Helm auf jeder Seite des Kopfes so sicher wie möglich zu gestalten. Dabei wird eine 250-fache Erdbeschleunigung als maximale Einwirkung auf den Kopf vorausgesetzt. Im akuten Fall muss der Helm den Aufprall oder den Tritt des Pferdehufes abmildern, wenn nicht vollkommen abschwächen. Ein optimaler Helm kann nicht nur den Erwartungen entsprechen. Vielmehr ist er sogar in der Lage, gut ein Drittel mehr auffangen zu können als erwartet.
  • Durchdringungsprüfung: Ob Steine, Äste oder andere Gegenstände, gegen die der Kopf des Reiters stoßen könnte, der Helm darf nicht von ihnen durchdrungen werden.
  • Abstreifprüfung: Fallgewichte werden eingesetzt, um zu versuchen den Helm vom Testkopf zu ziehen. Zeitgleich werden aber auch der Verschluss sowie die Riemen einer Überprüfung unterzogen. Nur wenn der Helm auch unter den härtesten Bedingungen am Kopf bleibt, hat er die Prüfung bestanden. Denn nur ein Helm, der auf dem Kopf sitzt, kann diesen auch schützen.
  • Durchbiegung des Schirmes: Dieser muss sich bei einem frontalen Aufprall biegen können. Nur so ist gewährleistet, dass er nicht den gesamten Helm in den Nacken des Reiters schiebt. Dies wäre eine extreme Belastung des Nackenbereiches, die es unbedingt zu verhindern gilt. Daher ist eine so genannte Sollbruchstelle in den Schirm integriert, die für ein Durchbiegen sorgt, sodass der Helm an Ort und Stelle verbleibt.

Zudem soll der Helm bequem sitzen, leicht zu verstellen sein, eine optimale Optik und eine gute Belüftung besitzen und nicht all zu teuer sein. Was unmöglich erscheint, wird möglich gemacht. Und genau diese Kombination ergibt den heutigen, genormten Helm, der größtmöglichen Schutz des Reiterkopfes verspricht.